Prüfen Sie Ihre Seite, bevor es jemand anderes tut
Sechs Prüfschritte in der Reihenfolge, die mit dem geringsten Aufwand die meisten Probleme findet. Alles davon läuft mit Browser, Tastatur und Software, die Sie schon haben.
1. Maus weglegen
Erledigen Sie eine echte Aufgabe nur mit der Tastatur – nicht die Startseite, sondern das, wofür Ihre Nutzer kommen, von Anfang bis Ende. Tab vor, Umschalt plus Tab zurück, Enter und Leertaste aktivieren.
Drei Fehler zeigen sich sofort, und alle drei blockieren:
- Unsichtbarer Fokus. Wenn Sie den Überblick verlieren, verliert ihn jede Tastaturnutzerin auch.
- Fokusfalle. Der Fokus kommt in ein Widget, ein Modal oder einen eingebetteten Frame und nicht wieder heraus.
- Fokus hinter dem Sticky-Header. Das ist WCAG-2.2-Kriterium 2.4.11, und daran scheitern klebende Kopfzeilen ständig.
2. Eine Seite anhören
Schalten Sie den Screenreader ein, den Ihr Rechner ohnehin hat, und gehen Sie die Seite durch. Unser Screenreader-Leitfadenbeschreibt die Zwanzig-Minuten-Fassung, inklusive der Überschriftenliste – der schnellste Weg zu der Frage, ob Ihre Seite eine Struktur hat oder nur ein Layout.
3. Auf 200 Prozent zoomen
Browserzoom auf 200 Prozent, dann das Fenster auf 320 CSS-Pixel Breite verschmälern. Der Text muss umbrechen. Nichts darf horizontales Scrollen erzwingen, nichts abgeschnitten sein, kein Bedienelement unerreichbar werden. Danach die Mindestschriftgröße im Browser hochsetzen und prüfen, ob das Layout auch reine Textvergrößerung überlebt.
4. Formulare prüfen, nicht Formularfelder
Jedes Eingabefeld braucht ein programmatisch verknüpftes Label – kein Platzhalter und kein Absatz darüber. Lösen Sie dann absichtlich einen Fehler aus. Der Fehler muss angesagt werden, in Worten statt in Farbe sagen, was falsch ist, und der Fokus muss an eine sinnvolle Stelle springen.
Bei der Gelegenheit: Lässt sich ins Passwortfeld einfügen? Wer das Einfügen blockiert, bricht Passwortmanager und verletzt WCAG-2.2-Kriterium 3.3.8.
5. Alternativtexte laut lesen
Nicht ob sie da sind, sondern ob sie etwas sagen. Lesen Sie jeden anstelle des Bildes laut vor und prüfen Sie, ob der Satz noch funktioniert. Dekorative Bilder bekommen ein leeres alt-Attribut, damit der Screenreader sie überspringt. Ein Bild, das Information trägt, braucht die Beschreibung dieser Information, nicht die des Bildes.
6. Zum Schluss ein automatischer Test
Jetzt, und erst jetzt, ein kostenloser Prüf-Werkzeug-Durchlauf. Zuletzt deshalb, damit Sie nicht in Versuchung geraten, den Punktestand für das Ergebnis zu halten. Kontrastwerte, fehlende Sprachauszeichnung und kaputte ARIA-Bezüge findet er schnell – das ist echt nützlich und echt unvollständig.
Was Sie mit den Funden machen
Sortieren Sie nach Blockadewirkung, nicht nach Anzahl der Treffer.
- Macht eine Aufgabe unmöglich: fehlende Beschriftungen, Fokusfallen, unerreichbare Schritte.
- Macht eine Aufgabe deutlich schwerer: fehlende Struktur, schlechte Fehlerbehandlung, Fokusprobleme.
- Alles andere: Kontrast, Abstände, Zielgrößen, Qualität der Alternativtexte.
Dann schreiben Sie es auf. Für eine öffentliche Stelle ist diese Liste die Grundlage der Barrierefreiheitserklärung; für ein Unternehmen unter dem BFSG ist sie der Nachweis, dass Sie die Anforderungen bewertet und nicht vermutet haben.
Wo Selbstprüfung aufhört
Dieser Durchgang findet strukturelle Barrieren. Er sagt Ihnen nicht, ob Ihr Angebot für jemanden nutzbar ist, der mit abgeschaltetem Bildschirm dreihundert Wörter pro Minute hört, für jemanden mit Kommunikationshilfeoder für jemanden, der den Inhalt inLeichter Sprache braucht. Wo es ernst wird, ist eine Sitzung mit echten Nutzerinnen und Nutzern mehr wert als die nächste Werkzeugrunde.