Leichte Sprache
Leichte Sprache ist kein Schreibstil, sondern ein Verfahren mit Regeln und einem Prüfschritt. Der Prüfschritt ist der Teil, der beim Sparen zuerst wegfällt – und der Teil, auf den es ankommt.
Leichte Sprache und Einfache Sprache sind zwei Dinge
Die beiden Begriffe werden in Ausschreibungen ständig vertauscht, und das Ergebnis ist ein Text, der keine der beiden Zielgruppen erreicht.
| Einfache Sprache | Leichte Sprache | |
|---|---|---|
| Für wen | Alle, auch Zweitsprachler und Eilige | Menschen mit Lernschwierigkeiten |
| Ziel | Beim ersten Lesen verstehen | Selbstständig lesen und verstehen |
| Inhalt | Vollständig | Reduziert auf das, was zum Handeln nötig ist |
| Layout | Normal | Vorgegeben: große Schrift, ein Satz pro Zeile, Bilder |
| Prüfung | Optional | Prüfgruppe, verbindlich |
| Bezug | DIN ISO 24495-1 | Netzwerk Leichte Sprache, DIN SPEC 33429 |
Der häufigste Fehler: Leichte Sprache bestellen und die inhaltliche Vollständigkeit der Einfachen Sprache verlangen. Leichte Sprache reduziert. Aus zwölf Seiten werden nicht zwölf leichte Seiten, sondern ein kürzerer Text mit dem, was die Leserin entscheiden und tun muss, plus Verweis auf die Vollfassung.
Die Regeln
Die deutschen Regeln bauen auf den europäischen Regeln auf, die aus einem Projekt von Inclusion Europe stammen; die englische Fassung erklären wir auf unserer Seite zu deneuropäischen Standards. In Deutschland kommt das Regelwerk des Netzwerks Leichte Sprache dazu, seit 2023 flankiert von DIN SPEC 33429 mit Empfehlungen für Deutsche Leichte Sprache.
- Kurze Sätze, ein Gedanke pro Satz. Aktiv statt Passiv. Direkte Anrede.
- Bekannte Wörter. Dasselbe Wort für dieselbe Sache, auch wenn es sich wiederholt.
- Schwere Wörter werden dort erklärt, wo sie vorkommen, nicht im Glossar am Ende.
- Lange Wörter mit Mediopunkt trennen: Bundes·gleich·stellungs·gesetz.
- Keine Metaphern, keine Abkürzungen, keine Prozentzahlen, kein Konjunktiv.
- Große serifenlose Schrift, linksbündig, großzügiger Zeilenabstand, ein Satz pro Zeile.
- Bilder, die genau das zeigen, worum es im Satz geht – kein Stimmungsfoto.
Die Prüfgruppe
Der Entwurf geht an eine Gruppe von Menschen mit Lernschwierigkeiten. Sie lesen ihn und sagen, was sie nicht verstanden haben. Das Ergebnis ist eine Liste konkreter Änderungen, kein Häkchen.
Praktisch heißt das: drei bis sechs Prüferinnen und Prüfer, eine Moderation, ein bis zwei Stunden Sitzung – und eine Vorlaufzeit. Prüfgruppen sind ausgebucht. Rechnen Sie zwischen fertigem Entwurf und Sitzung mit zwei bis drei Wochen, nicht mit zwei Tagen. Wer diese Zeit nicht einplant, streicht am Ende den Schritt, und das ist der einzige Schritt, den man nicht streichen kann, ohne das Ergebnis zu verlieren.
Prüferinnen und Prüfer arbeiten. Das ist bezahlte Tätigkeit, kein Ehrenamt, und wenn ein Angebot auffällig günstig ist, lohnt die Frage, wer hier nicht bezahlt wird.
Woran Sie ein seriöses Angebot erkennen
- Die Prüfgruppe ist im Angebot ausgewiesen, mit eigener Position und eigener Vorlaufzeit.
- Es wird gefragt, was die Leserin nach dem Lesen tun können soll – nicht nur nach der Zeichenzahl.
- Bildmaterial ist Teil des Angebots und stammt aus einem Symbolsatz, nicht aus einer Fotodatenbank.
- Es gibt eine Aussage dazu, was passiert, wenn die Prüfgruppe größere Änderungen verlangt.
Leichte Sprache im Web
Eine Fassung in Leichter Sprache gehört als eigene, gut auffindbare Seite ins Web, nicht als PDF in einen Download-Bereich. Als HTML-Seite funktioniert sie mitVorlesewerkzeugen und lässt sich vergrößern; als PDF verliert sie beides. Verlinken Sie sie von der Hauptseite aus sichtbar, und verlinken Sie von der leichten Fassung zurück auf die Vollfassung.
Häufige Fragen
Was kostet eine Übersetzung in Leichte Sprache?
Abgerechnet wird meist nach Normzeile oder Seite der Zielfassung, und der Preis hängt stark davon ab, ob die Prüfung durch eine Prüfgruppe enthalten ist. Ein Angebot ohne Prüfgruppe ist billiger und liefert keine Leichte Sprache im Sinne der Regeln. Fragen Sie ausdrücklich danach.
Reicht es, wenn eine KI den Text vereinfacht?
Als Entwurfshilfe innerhalb eines Prozesses spart das echte Zeit. Als Prozess ersetzt es weder die inhaltliche Entscheidung, was überhaupt hineingehört, noch die Prüfung durch Menschen mit Lernschwierigkeiten. Was dabei herauskommt, ist vereinfachter Text, nicht geprüfte Leichte Sprache.
Ist Leichte Sprache gesetzlich vorgeschrieben?
Für Bundesbehörden gibt es Vorgaben im Behindertengleichstellungsgesetz und in der BITV 2.0, die Erläuterungen in Leichter Sprache verlangen. Für private Unternehmen gibt es keine allgemeine Pflicht zur Leichten Sprache; das BFSG verlangt verständliche Informationen, was auf Einfache Sprache hinausläuft.
Darf ich das Leichte-Sprache-Logo verwenden?
Das Logo steht für die Prüfung durch Menschen mit Lernschwierigkeiten. Auf einem Text, der diese Prüfung nicht durchlaufen hat, führt es genau die Leserinnen und Leser in die Irre, die sich darauf verlassen.